Stichworte: Senioren, Ernährung, Verpflegung, Medikamente, Arzneistoffe, Multimedikation, Alter, Veränderung, Mikronährstoffe, Mangel, Vitamin B12, Folsäure, Calcium

Seniorenernährung in der Verpflegung - Medikamente und Mikronährstoffmangel

Situation in Deutschland

Die Zahlen der älteren Bevölkerung in Deutschland steigen zunehmend. Eine steigende Lebenserwartung ist verbunden mit einem Alterungsprozess, der von unterschiedlichen Einflüssen und Faktoren abhängt. Neben genetischen, umweltbedingten und Lebensstilfaktoren, ist der Einfluss der Ernährung von besonderer Bedeutung. Schon allein aufgrund altersabhängiger, biologisch körperlicher Veränderungen kann der Ernährungszustand beeinträchtigt sein. Mit steigendem Alter steigen auch die Zahlen von Patienten, die mit verschiedenen Leiden gleichzeitig belastet sind. So verwundert es nicht, dass gerade ältere Menschen oftmals durchschnittlich drei bis fünf oder mehr Medikamente täglich einnehmen müssen. Diese Multimedikation stellt ein zusätzlich erhöhtes Risiko für einen schlechten Ernährungszustand und somit einer Mangelernährung dar. Bis zu etwa 60 % der Senioren in Krankenhäusern und bis zu 40 % der Senioren in Pflegeheimen sind von einer Mangelernährung mit einem Mikronährstoffmangel betroffen.

Wechselwirkung von Medikamenten und Ernährung

Die Wirkung von Arzneistoffen wird beeinflusst von der Art und Menge der eingenommen Medikamente, sowie von den in der Ernährung enthaltenen Nahrungsbestandteilen oder Nahrungsergänzungsmittel. Arzneistoffe können sich wechselseitig untereinander in ihrer Wirkung beeinflussen. Deren Aufnahme und Wirkung kann aber auch durch Nahrungsbestandteile beeinträchtigt werden. So kann ein mit Nahrung gefüllter Magen die Aufnahme von Arzneistoffen verzögern und deren Wirkung schwächen. Konkurrieren Nahrungsbestandteile mit Arzneistoffen um gleiche Aufnahmetransportwege oder bilden diese schwerlösliche Verbindungen wird zusätzlich deren Bioverfügbarkeit vermindert. Umgekehrt kann auch die Verfügbarkeit von Nahrungsstoffe durch Arzneimittel erschwert werden. Innerhalb des Stoffwechsels sind gleiche oder entgegengesetzte Reaktionswege von Bedeutung, die zu einer erheblichen Veränderung der erwünschten therapeutischen Maßnahme führen können. Weiter greifen viele Wirkstoffe derart in das Stoffwechselgeschehen ein, dass es zu einer Appetitsteigerung oder –minderung mit entsprechend unerwünschter Gewichtszunahme oder –abnahme kommen kann.

Bedeutung in der Praxis

Von falschen oder einseitigen Ernährungsgewohnheiten abgesehen tragen typische Altersveränderungen, wie z.B. Beeinträchtigungen des Magen-Darm-Traktes, Verringerung des Geruchs- und Geschmackssinns oder Kau- und Schluckbeschwerden zum Risiko einer Mangelernährung im Alter bei. Mit der Einnahme von Medikamenten können diese Veränderungen zusätzlich verstärkt werden. Es resultieren beispielsweise Störungen der Verdauungsfunktion, Mundtrockenheit, und/oder Appetitlosigkeit. Ein erhöhter Nährstoffverlust ist die Folge. Besonders betroffen ist dabei der Mikronährstoffhaushalt. Ein Mangel an Mikronährstoffen, wie zum Beispiel von Vitamin B12, Folsäure, Zink und Calcium werden am häufigsten aufgeführt. Je höher die Medikamenteneinnahme, desto höher das Risiko für physiologische Störungen und desto stärker sind ältere Patienten von einer Mangelversorgung bedroht. Zur Vermeidung eines Mikronährstoffmangels sind neben der Kenntnis der Anzahl und Art der einzunehmenden Arzneimittel, aufmerksam auf spezielle Folgeerscheinungen und/oder auf möglicherweise verändertes Verhalten, zum Beispiel das Ess- und Trinkverhalten zu achten. Oftmals wird das Risiko eines Mikronährstoffmangels nicht erkannt. Meist nehmen betroffene Personen im Alter dies selbst nicht wahr. Entweder werden Störungen oder Veränderungen nicht mitgeteilt oder die ältere Person kann sich nur schwer oder gar nicht mehr mitteilen. Zwar sind zur Abwendung eines Mikronährstoffmangels aufgrund von Medikamenteneinnahme spezielle Fachkenntnisse notwendig, doch ein gut geschultes und engagiertes Betreuungspersonal kann hier eine besondere Hilfestellung leisten.


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